Sonntag / 11. April 2027

Martin Stadtfeld
© Uwe Arens

Martin Stadtfeld
BnB

Sonntag / 11. April 2027 / 17:00 Uhr


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Programm

„Bachs relativ selten gespielte Ouvertüre im französischen Stil – ein Spätwerk der Rückschau auf das, was ihn in seiner Jugend geprägt hat – fasziniert mich in ihrer romantischen Klangsinnlichkeit. Bach schreitet hier noch einmal alle Stationen der sublimierten höfischen Adelstänze ab, und man hört dem Werk nicht zuletzt im finalen „Echo“ an, dass er es selbst schon als Rückblick auf eine untergegangene Epoche empfand. Und dennoch steckt es voll Leben, Lebensfreude und direkter Emotion und bleibt völlig zeitlos.

Genauso zeitlos wie Beethovens Appassionata, die aber ganz im Gegensatz dazu eine Prozessbeschreibung seiner Gegenwart – bzw. der Hoffnungen und Gefühle, die Beethoven in die Umwandlungen seiner Welt projizierte – darstellt. Beethoven lässt uns mitfiebern, mitzittern, psychologische Prozesse zwischen Angst, Hoffnung und totaler Euphorie durchlaufen. Und immer wieder – auch nach dem 100. mal spielen – wirkt dieses Werk so eruptiv, als würde es gerade in dem Augenblick entstehen.

Meine eigene Sonate trägt den Beinamen „Memory of an old Song“ und besteht in Teilen aus Improvisationen über den Renaissancechoral „Ach, bleib mit Deiner Gnade“, mit dem ich mich lange beschäftigt habe – bzw. der mich lange beschäftigt hat. Wie im Vorbild der Klaviersonate von Liszt stelle ich ein paar lose Motive an den Anfang, aus denen das Material entwickelt wird und sich dann mit dem alten unwiderstehlichen Lied des Chorals verbindet.

Zum Ende etwas vom jungen Bach aus dessen italienischer Phase: Denn die Eröffnungssätze der sogenannten Englischen Suiten sind im italienischen Konzertstil gehalten. Das bedeutet, man ist in diesem Falle eines Solostücks Pianist und Orchester zugleich! Und ich stelle immer wieder fest, dass es ohne den Einfluss der Venezianer Vivaldi, Marcello und co. niemals den Bach gegeben hätte, den wir so lieben. Denn erst, als er mit diesem Stil infiziert wurde, schrieb Bach so unendlich mitreißend. Für mich ist es immer eine schöne Erkenntnis, dass auch ein Johann Sebastian Bach – bei allem rätselhaften, was bei dieser genialen Musik bleibt – ein Mensch war, der begierig Neues kennenlernte und in seine Kunst adaptierte. Heraus kam etwas paradoxes: Musik, die immer schon dagewesen zu sein scheint und zugleich immer schon die Zukunft in sich trägt. Bach eben. Einzigartig.“

Vita

Genesis, Piano Songbook, Homage to Bach: Martin Stadtfelds erfolgreiche, regelmäßig bei Schott Music verlegte Kompositionen stehen in der Tradition großer Meister – ganz im Sinne seines Mottos: „Aus dem Alten Neues erschaffen.“

Leitstern ist die Musik Johann Sebastian Bachs. Die Faszination für Präludien und Fugen beginnt im frühen Klavierunterricht. In der Jugend spielt Stadtfeld nächtelang das Wohltemperierte Klavier und legt damit den Grundstein für seine besondere Bach-Auseinandersetzung. Mit 15 entdeckt er die Goldberg-Variationen, die er in wenigen Tagen auswendig lernt und mit denen seine internationale Karriere beginnt.

Aus der über 20-jährigen Zusammenarbeit mit Sony Classical sind zahlreiche, vielfach ausgezeichnete Bestseller-Alben hervorgegangen. Mit rund 100 Millionen Klicks zählt Martin Stadtfeld auch im Streaming-Zeitalter zu den vielgehörten Klassikstars. Besonders erfolgreich sind seine freien Bearbeitungen, etwa in Alben wie Händel Variations, Deutsche Volkslieder oder Baroque Colours.

Als Solist wird er weltweit von Orchestern eingeladen und füllt als Rezital-Künstler die großen Säle. Das Publikum schätzt seine originellen Interpretationen der Klavierkonzerte von Mozart bis Rachmaninow sowie seine spannungsreich zusammengestellten Programme. Seit seinem 9. Lebensjahr tritt er als Konzertpianist auf und gibt seine Erfahrung heute auch als Professor an der Hochschule für Künste Bremen weiter.